
3. Februar - Wenn es diesmal mit der Insemination nicht zu einer Schwangerschaft führt, dann weiß ich's auch nicht. Wundersamerweise habe ich diesmal auf die Vorbehandlung in der PAN-Klinik voll angeschlagen. Es reifen sage und schreibe VIER Eier in mir heran. Auf dem Ultraschall sah das aus wie ein Fischlaich. Eine richtige kleine Ansammlung!
Als dann der Arzt vor der Insemination sagte: " Ich habe hier acht Millionen Spermien von erschreckender Beweglichkeit.", gerieten meine Freundin und ich etwas in Hysterie. Visionen von Drillingen oder gar Vierlingen spukten durch unsere Köpfe. Am nächsten Tag beim Ultraschall revidierte sich das Ganze schon, denn anscheinend sind nur zwei Eier gesprungen.
Nun bin ich also wieder in der Warteschleife. Meine Freundin ist sehr zuversichtlich, dass wir im Oktober endlich unser Kind in den Armen halten werden. Nach anderthalb Jahren und zwölf endlos erscheinenden Versuchen schwanger zu werden, davon drei in der PAN Klinik. Ich horche in mich hinein. Jedes Zwicken, jedes Ziehen erhält Bedeutung. Seit drei Tagen ist mir latent schlecht. Ein gutes oder ein schlechtes Zeichen?
17. Februar - Ich bin schwanger! Ich weiß es seit vier Tagen. Glauben kann ich es noch nicht wirklich. Montag war ich zur Blutabnahme in der Praxis. Um 14 Uhr sollte ich anrufen, um das Ergebnis zu erfragen. Während ich die Nummer wählte, schlug mein Herz wie verrückt. Als die Frau am Telefon sagte: "Sie sind schwanger." , schnappte ich nach Luft. Jubel und Tränen der Erleichterung und der Freude.
Seitdem schwebe ich mit diesem neuen Wissen in mir durch meine Tage. In manchen Momenten vergesse ich es und dann plötzlich fällt es mir wieder ein und mich durchströmt jedes mal aufs Neue ein riesiges Glücksgefühl. Plötzlich und unerwartet bin ich hineinkatapultiert in eine neue Zeitrechnung. Ich bin schwanger, ich bin schwanger, ich bin schwanger und werde - wenn alles gut verläuft - im Oktober unser Kind zur Welt bringen.
Nächsten Montag habe ich einen Termin für den Ultraschall. Ich fiebere darauf hin. Ich muss es SEHEN. Ich will sehen, dass da wirklich etwas in mir ist und wächst, sonst kann ich es irgendwie nicht glauben. Erzählt habe ich es bisher nur einer Freundin. Ich möchte die ersten zwölf Wochen abwarten. Ich möchte die Gewissheit haben, dass dieses Kind wirklich in mir bleibt, bevor ich die frohe Botschaft in die Welt hinaus verkünde. Das fällt mir schwer. Es fühlt sich schräg an. Mein Leben läuft weiter, wie bisher: Arbeitstermine, Verabredungen. Ich mache Pläne, als wäre nichts geschehen. Dabei ist in mir dieses neue Wissen um das Leben in mir.
Was diese Schwangerschaft bedeutet, wie sie mein Leben verändern wird, ist so groß und so umfassend, dass ich es noch nicht wirklich begreife. Also denke ich in kleinen Schritte: Wie erkläre ich, dass ich nächste Woche beim Karneval keinen Alkohol trinke? Mit was entschuldige ich mich bei den anstehenden Trainings und Turnieren?
4. März - Gestern haben wir das kleine Wesen auf dem Ultraschall gesehen und das Herzchen hat geschlagen. Es ist jetzt 0,5 Zentimeter groß. Ich glaube, ich habe noch nie etwas Schöneres gesehen! Meine Erleichterung und meine Freude sind riesen groß , nach all dem Bangen der letzten beiden Wochen.
Der erste Termin zum Ultraschall am 20.2. war zu früh und hat mich sehr verunsichert. Man konnte außer einem Fruchtbläschen nichts sehen. Und als dann auch noch die Ärztin sagte: "Mhmm, es ist zu kein. Das müßte eigentlich größer sein. Man sollte schon mehr erkennen.", war ich fix und fertig und konnte danach nur noch weinen. Ich recherchierte wie blöde im Internet nach "Ultraschall in der sechsten Woche". Am Ende der Woche war ich so sehr mit den Nerven am Ende, dass ich eine Freundin anrief, die Hebamme ist. Sie schaffte es mich zu beruhigen. Ich muss damit aufhören zu meinen, ich könne meine Schwangerschaft von Außen kontrollieren. Ich muss mich konzentrieren auf mich und mein Gefühl und ich muss - vertrauen. Das Kind weiß schon, ob es wachsen und bleiben will oder nicht.
So dachte ich, bis Vorgestern. Da fühlte ich es auf der Arbeit plötzlich warm zwischen meine Beinen herauslaufen. Auf der Toilette dann die Gewissheit: Ich blute! Zittrig und voller Panik bin ich nach Hause. Eine riesen Angst in mir: Sollte es das gewesen sein? Verliere ich gerade mein Kind? Das darf nicht sein!
Die Frauenärztin fährt mit dem Ultraschallgerät über meinen Bauch und sagt: "Da! Da haben wir es ja. Das sieht gut aus. Das Herz schlägt. Sehen Sie dort! Sieht alles ganz gesund und normal entwickelt aus. " Ich bin sooo erleichtert und glücklich und dankbar. Unser Kind ist noch bei uns! Es will bleiben! Es will zu uns!
23. März - Ich bin in der 10. Woche. In den letzten beide Wochen war ich permanent müde und schlapp. Häufig war mir übel. Ständig hatte ich Hunger. Beim dritten Ultraschall haben wir unser Baby noch einmal gesehen, es ist gewaltig gewachsen und sein Herzchen schlägt wie wild.
Wir mussten uns mit vorgeburtlicher Diagnostik auseinandersetzen. Als so genannte "Spätgebärende" falle ich unter die Risikogruppe. Ein anstrengender Prozess mit vielen Gesprächen und Überlegungen. Am Ende haben wir uns deutlich dafür entschieden keinerlei prädiagnostische Untersuchung zu machen. Ich will mich nicht in die Spirale aus Panik und Scheinsicherheit begeben. Es gibt auch mit den ganzen Zusatzuntersuchungen keine Sicherheit. Es gibt nur die Wahl zwischen der Abhängigkeit vom ärztlich-medizinischen Apparat und einer Entscheidung für ein Vertrauen auf das, was kommen wird. Wir haben uns für das Vertrauen entschieden. Ich möchte meine Energie lieber darauf verwenden, an die Verbindung zwischen mir und diesem Kind zu glauben und darauf zu vertrauen, dass dieses Kind genauso sein wird, wie es sein soll. Wir haben so lange darauf gewartet. Ich glaube, dieses Kind hat sich uns ausgesucht. Dies ist unser Kind und wir werden es so lieben, wie es ist und sein wird.
17. April - Heute beginnt die 14. Woche! Das heißt, wir haben die ersten drei Monate geschafft. Juhu!!! Hinter diesem "Juhu" stehen sehr viele Ausrufungszeichen und noch mehr erleichterte Seufzer, denn die Angst mein Baby zu verlieren war in den letzten 10 Wochen sehr groß und lebendig in mir. Doch nun bin ich zuversichtlich, dass der kleine Schatz bei uns bleiben wird.
1. Mai - So langsam rundet sich mein Bauch. Man beginnt von Außen zu erkennen, dass ein kleiner Mensch in mir wächst.
17. Mai - Ich bin in der 18. Woche und mir geht es besser und besser. Ich liebe es meinen Bauch anzuschauen und meine Hände auf die Rundung zu legen. So langsam passen mir einige Klamotten nicht mehr. Jeden Morgen probiere ich aus, welches Kleidungsstück noch geht und, welches nicht mehr. Die Frage nach dem Geschlecht des Kindes ist präsent. Gar nicht so sehr bei meiner Freundin und mir, sondern viel mehr bei allen anderen. "Wißt ihr schon was es wird?", werde ich regelmäßig gefragt. Ich antworte darauf gerne mit: "Ja. Ein Mensch."
31. Oktober - Nach einer problemlosen Schwangerschaft, die ich sehr genossen habe, bringe ich einen gesunden und wundervollen Jungen zur Welt. Dieser Junge ist heute - im Jahr 2018 - 12 Jahre alt. Er hat eine kleine Schwester, zwei Jahre jünger als er selbst.
geschrieben von Familie Regenbogenbunt
Der Text ist eine Fortsetzung folgender Blog-Beiträge: